Esel im Naturschutz

(von Astrid Fölling)

Die Vorfahren unserer Esel kommen vermutlich überwiegend aus Geröllwüsten und ähnlichen Habitaten. Dieses Erbe bildet sich auf die Bedürfnisse unserer Haustiere ab. Sie verwerten ihr Futter sehr gut (der Darm ist ca. 1/3 länger als bei Pferden) und ihr Kot hat daher nur eine geringe Düngewirkung. Raufutter und Holz sind im Speiseplan extrem wichtig und werden sehr gerne angenommen.  Anders als die meisten Pferde fressen sie z.B. bevorzugt Brennnesseln, Disteln, Pfeilkresse  und Orientalische Zackenschötchen; die meisten Holzarten werden intensiv geschält und befressen. Anders als Schafe nehmen sie auch gerne überständige, trockene Pflanzenteile an und wirken so einer Verfilzung entgegen. Esel, die in der Herde und draußen aufgewachsen sind, erkennen Giftpflanzen sehr schnell. Sie werden nicht gefressen. Üblicherweise werden daher auch keine Orchideen, Enziane, Raublattgewächse und etwa Senecio-Arten aufgenommen.

Die gute Futterverwertung hat natürlich auch einen Nachteil. Auf zu fetten Flächen können Esel kurz- oder langfristig lebensbedrohlich erkranken! Die Hufe unserer Esel sind empfindlicher als die der Pferde gegen Feuchtigkeit und damit einhergehenden Pilzen und Bakterien. Ihr Fell verträgt weniger Nässe.

Nach unseren Erfahrungen lassen sich Esel unter bestimmten Voraussetzungen sehr gut mit einfachen mobilen Zäunen, bestehend aus 2 Litzen und einer Stromversorgung, koppeln. Sie sind sehr geländegängig und keine ausgeprägten Fluchttiere. Sie stellen sich dem Feind, anstatt kopflos davon zu laufen. Dringen Hunde in die Koppel ein, werden sie von den Eseln gemeinsam gestellt. Gegenüber Menschen sind Esel in aller Regel interessiert bis zutraulich und anhänglich. Esel, die in der Herde aufgewachsen sind und keine schlechten Erfahrungen gemacht haben, treten und beißen Menschen nicht. Da Esel keine ausgeprägte hierarchische Rollenverteilung wie bei Pferden kennen, sind sie in Umgang und Ausbildung zunächst vielleicht komplizierter. Einen Esel kann man nicht dominieren, sondern man muss sein Vertrauen erlangen und ihn mit viel Geduld an Herausforderungen (Verladen, Hufe geben) heranführen. 

Was folgt aus diesen knappen Charakterisierungen der Esel-Bedürfnisse?

Esel eignen sich sehr gut für die Landschaftspflege in trocken-sandigen und steinigen Gebieten. Sie kommen auch in Steilhängen gut klar. In sandigen Gebieten werden die dort erwünschten offenen Bodenstrukturen zuverlässig geschaffen. Problemarten, wie Land-Reitgras, werden bevorzugt gefressen und vor allem im Winter auch ausgegraben. Besonders offene Flächen entstehen an den Wälzstellen und Pfaden. Gehölze werden zurückgedrängt. Zu erhaltende Bäume sollten geschützt oder ausgekoppelt werden. Einige Arten werden nicht gefressen. Durch diese Selektion kann man die Langohren besonders gut in Flächen einsetzen, die einer gewissen Lenkung bedürfen. Nach unseren Erfahrungen werden z.B. Orchideen, Enziane, Elsässer Haarstrang und Kiefern (von Bedeutung bei der Waldweide auf Sand) nicht gefressen. Wir erarbeiten momentan eine Liste der Fresspräferenzen.

Auch wenn die meisten Esel kaum Giftpflanzen fressen ist bei besonders giftigen Arten Vorsicht angebracht. Robinien, Eiben und vor allem die meisten Gartengehölze wie Thuja, Kirschlorbeer etc. gehören nicht auf eine Eselweide. Wir bekämpfen sie vorher oder grenzen sie aus. Vorsicht auch mit eingebrachten Gartenabfällen, an denen man die Ausgangsart vielleicht nicht mehr erkennen kann oder Unterständen/Pfählen aus Robinienholz. Bei den Greiskräutern handhaben wir es so, dass wir im Zuge der Beweidung die Pflanzen peut à peut herausrupfen, damit sie keine Überhand nehmen. Grundsätzlich gehört zu einer Beweidung eine ergänzende oder vorbereitende manuelle Pflege. D.h. kritische Giftpflanzen herausnehmen, überhand nehmende Gehölze zurücknehmen etc.

In trockenen Zeiten eignen sich auch Magerrasen oder deren Entwicklungsstadien auf Lehm. In regenreichen Jahresabschnitten gibt es hier eher unerwünschte Trittschäden und die Hufgesundheit leidet. Dies ist im Einzelfall immer gut zu beobachten und abzuwägen. Großesel sind nicht so leichtfuttrig wie Zwerg- und Hausesel, könnten daher auch auf etwas reichhaltigeren Flächen eingesetzt werden.

In einfach eingezäunten Koppeln sollte man keine Hengste halten. Das Ausbruchsrisiko ist zu groß. Zudem ist keine ungezügelte und ungeplante Vermehrung der Herde erwünscht (inkl. Inzucht). Esel können sehr alt werden und brauchen auch mit Alterswehwehchen noch eine adequate Versorgung (Futter, Zähne, etc.). Bei einer Zucht ist im Sinne der Tiergesundheit auf eine passende Anpaarung zu achten. In gut abgeschirmten, sehr großen Flächen lassen sich aber reine Hengst-/Wallachherden halten. Esel sollten nur mit Artgenossen zusammen gehalten werden

Die Esel benötigen einen Unterstand gegen Regen und Sonne. Wir nutzen dafür ein mobiles Weidezelt; hiermit gibt es in der Regel auch keine Probleme mit dem Baurecht etc. Gesunde Esel werden das Zelt vielleicht wenig nutzen und stehen auch einfach im Regen oder im Gebüsch. Bei längeren Aufenthalten sollte man es dennoch anbieten.

Die Esel brauchen zusätzlich: immer frisches Wasser, Salzleckstein, Mineralfutter. Bei Schneedecke sollte auch Heu zugefüttert werden. Wir bei allen anderen Beweidungsformen auch ist auf eine Aufklärung der Passanten zu achten, dass eine Fütterung verboten ist und was sie für Auswirkungen haben kann. Eine 5-10 köpfige Eselgruppe benötigt pro Hektar zwischen 3 und 5 Wochen. Im Winter ist der Flächenverbrauch größer. Einen einfachen Litzenzaun kann man je nach Bedarf der Tiere und der Fläche einfach und schnell umstecken.

Bodenbrüter scheinen von den Eseln respektiert zu werden. Auf einer unserer Flächen wurde ein Fasanengelege im Lieblingsgebüsch und -einstand der Esel erfolgreich ausgebrütet.

Aufgrund der größeren Pflegeintensität etwa der Hufe eigen sich Esel aus unserer Sicht eher nicht für eine halbwilde Haltung. Die Intervalle der Hufpflege variieren je nach Tier und Weidefläche und liegen etwa zwischen alle 6 Wochen bis 2x pro Jahr. Bei einigen Tieren ist eine jährliche Zahnpflege notwendig, etwa bei Fehlbissen oder altersbedingt. Unsere Esel sind tetanusgeimpft und sie werden regelmäßig nach Kotproben entwurmt. Als natürliches Entwurmungsmittel hat sich bei unseren Eseln aber auch der Blutrote Hartriegel entpuppt. In Gebieten mit hohem Kriebelmückendruck kann ein Ohrenschutz notwendig sein. Die Esel reagieren da sehr individuell.

Für eine Beweidung sollten nur Esel eingesetzt werden, die im Freiland mit Artgenossen aufgewachsen sind. Unsozialisierte Tiere fressen eher Giftpflanzen und geben diese Unarten teilweise auch an die anderen Gruppenmitglieder weiter.  Fohlen sollten mindestens ein Jahr mit ihrer Mutter verbringen.

Kontakt:

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