Panzerketten

Einsatz von Panzerketten in der Landschaftspflege

Die kostengünstige und nachhaltige Offenhaltung von Schießbahnen – dies war das ursprüngliche Ziel des Einsatzes von Panzerketten, der erstmals auf dem Truppenübungsplatz Baumholder erprobt wurde. Trotz unterschiedlicher Ziele ist diese neuartige Entbuschungsmethode auch für den Naturschutz interessant, da es auch hier aufgrund knapper Finanzlage nach effizienten Methoden für eine großflächige Offenhaltung der Landschaft zu suchen gilt.

Die in einen Stahlrahmen eingehängten Panzerkettenglieder werden von einem Forstschlepper über die verbuschten Flächen gezogen. Innerhalb nur weniger Stunden können auf diese Weise große Flächen entbuscht werden. Gebüsche mit einer Höhe von mehreren Metern stellen für die Panzerkette kein Hindernis dar. Durch das Gewicht der Kette von etwa zwei Tonnen werden die Gehölze so stark geschädigt, dass sie erst nach einigen Jahren wieder austreiben.

Die Entbuschungsmethode stößt dort an ihre Grenzen, wo ein Forstschlepper nicht mehr fahren kann. Folglich kommt der Einsatz der Panzerkette z.B. im Mittelrheintal ausschließlich für die naturschutzfachlich wertvollen, trocken-warmen Flächen im Bereich der Hangschultern oder flacheren Flächen am Unterhang in Frage, die infolge der Nutzungsaufgabe in den vergangenen Jahrzehnten massiv verbuscht sind. So wurden etwa auf der Dörscheider Heide, am Koppelstein oder am Kisselberg bei Leutesdorf im Rahmen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben Oberes Mittelrheintal jeweils mehrere Hektare mit Hilfe der Panzerkette entbuscht, um an Offenland gebundenen Tieren und Pflanzen hier wieder einen Lebensraum zu schaffen.

Ein landschaftliches Desaster ...

oder „wie auf dem Schlachtfeld“ – solche Gedanken könnten sich bei einer Flächenbegutachtung unmittelbar nach dem Einsatz der Panzerkette aufdrängen. Die Methode hiermit als zu rabiat oder ungeeignet abzutun wäre allerdings ein allzu vorschnelles Urteil, denn:

Durch die Panzerkette wird großflächig Offenboden geschaffen, wodurch Pionierarten, die auf den verbuschten Flächen seit Jahren keinen Lebensraum mehr hatten, wieder eine Chance bekommen;

  • das Landschaftsbild profitiert von der Entbuschung;
  • die Methode ist weit kostengünstiger als die konventionelle Entbuschung mit Motorsäge und Freischneider.

Gewalt an Tier und Pflanze?

So rabiat die Methode zunächst auch wirken mag, sie ersetzt lediglich das, was über Jahrhunderte unsere Kulturlandschaft mit ihrer charakteristischen Flora und Fauna geprägt hat: Hacke und Pflug oder aber Tritt und Verbiss durch weidende Haustiere. Fehlen vergleichbare »Störungen«, werden an Offenland gebundene Arten kontinuierlich von den aufkommenden Büschen und Bäumen verdrängt und sind früher oder später vollständig aus unserer Landschaft verschwunden. So wurden im Mittelrheintal auf den mit der Panzerkette entbuschten Flächen zahlreiche seltene, landes- oder bundesweit gefährdete Tier- und Pflanzenarten registriert, so z.B. die Steppen-Sattelschrecke, das Helm-Knabenkraut, der Runde Lauch oder das Kleine Mädesüß.

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