Feuchtwarme Witterung begünstigt Aktivität von Zecken

Vorsicht Zecken! © Sascha Rösner

Langgrasige Vegetation und die derzeit feuchtwarme Witterung begünstigt die Aktivität von Zecken. Erst bei sommerlicher trocken-heißer Witterung ziehen sich die Zecken in bodennahe feuchtere Bereiche zurück. Auch bei sehr niedrigen Temperaturen im Winter ist die Aktivität eingeschränkt. Aufgrund des Klimawandels sind Zecken mittlerweile aber fast ganzjährig aktiv und haben gute Populationen aufgebaut. Auch Gärten, Parks und andere Grünanlagen in den Siedlungen bieten bestens geeignete Lebensräume und vor allem mit Nagetieren wie Mäusen und Kaninchen aber auch Hunden und Katzen die nötigen Zwischenwirte für den Parasit.

Dies ist auch das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim. Seit 2014 haben Wissenschaftler um Prof. Dr. Ute Mackenstedt in rund 100 Gärten im Großraum Stuttgart die Aktivität der Zecken erfasst. Untersucht wurden verschiedenste Gärten sowohl Haus- als auch Obst- und Schrebergärten, sowie deren strukturelle Faktoren (Waldnähe, naturbelassener Garten/gepflegter Garten). Bei einer sog. Beflaggung wurden weiße Stoffbahnen über Rasen und Büsche gezogenen und anschließend die übergewechselten Zecken abgesammelt und gezählt. Mit dieser Methode werden nur die Tiere erfasst, die sich auch auf Wirtssuche befinden und deshalb an Pflanzen emporklettern. In 60 % aller Gärten konnten in der Studie Zecken nachgewiesen werden. In einzelnen Gärten fanden die Wissenschaftler in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere. Faktoren wie ein naher Wald, Unterholz und hohes Gras begünstigen zwar große Zeckenpopulationen, sind aber keineswegs die Voraussetzung dafür. Selbst in kleinen und gepflegten Gärten in den Stadtrandgebieten sind nach der Studie Zecken anzutreffen. Ein Grund für die große Verbreitung sind Haus-, Wild- und Nagetiere. In der Studie wurden insgesamt drei Arten von Zecken gefunden: Eine davon wird vor allem durch Vögel verbreitet, andere wiederum durch Wild- oder auch Haustiere. Menschen können durch alle drei Zeckenarten befallen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein Kontakt mit Zecken nur schwer vermeiden lässt. Dies rückt geeignete Verhaltens- und Schutzmaßnahmen in den Vordergrund. (https://zecken-im-garten.uni-hohenheim.de/)

Die häufigste Art, mit dem Menschen als Hauptwirt, ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Daneben gibt es noch verschiedene andere Arten, die den Menschen gelegentlich als Wirt nutzen. Zu den häufigsten zählen die Igelzecke (I. hexagonus), die Schafzecke (Dermacentor marginatus) und in Süddeutschland die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Alle Arten sind potentielle Überträger verschiedenster Erreger. Die Lyme-Borreliose ist deutschlandweit verbreitet, während die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hauptsächlich in Süddeutschland auftritt. In Rheinland-Pfalz zählt bei der FSME der Landkreis Birkenfeld mittlerweile zu den Risikogebieten. Gegen FSME stehen geeignete Impfungen zur Verfügung, während gegen Borreliose und andere von Zecken übertragbare Krankheiten derzeit noch anerkannte Impfstoffe fehlen. Nach dem Robert-Koch-Institut sind in Deutschland 5-35% der Zecken mit den Erregern der Lyme-Borreliose befallen. Nach bisherigen Erkenntnissen des Instituts ist nach einem Zeckenstich bei 1,5–6% der Betroffenen mit einer Infektion zu rechnen.

Prävention:

Zecken lauern in niedriger Vegetation und warten darauf, dass sie durch einen geeigneten Wirt abgestreift werden. Sie halten sich bodennah insbesondere in schattigen Bereichen mit hoher Luftfeuchte auf. Für die Prävention bedeutet das: den Aufenthalt in solchen Bereichen möglichst kurz halten, Socken über die Hosenbeine und ggf. Gummistiefel tragen. Zecken sind aber auch vorsichtig und wählerisch: Hat ein Wirt sie abgestreift, suchen sie erst lange Zeit nach geeigneten Körperregionen an denen sie sich sicher fühlen (Kopf, Hals, Achseln, Bauchnabel, Genitalbereich, Kniekehlen, aber auch Bereiche mit eng anliegender Kleidung z.B. Hüftbereich oder unter dem Uhrenarmband). Bis zum Einstich kann es durchaus eine Stunde und länger dauern. Die Erreger der Lyme-Borreliose brauchen zudem zunächst eine Blutmahlzeit um aktiviert zu werden, es benötigt daher einige Zeit bis die Erreger aus dem Mitteldarm der Zecke über deren Speicheldrüsen in den Wirt übertragen werden; nach derzeitigem Kenntnisstand ist das erst nach 1-2 Tagen. Daher ist ein schnelles Entfernen der Zecke notwendig. Oberstes Gebot, spätestens abends nach dem Geländegang: Duschen und die Kontrolle sämtlicher Körperregionen.

Hat sich eine Zecke einmal festgesetzt so ist sie mit einem speziellen Zeckenentferner, einer Pinzette oder notfalls auch mit den Fingernägeln ganz hautnah an ihren Mundwerkzeugen zu fassen und langsam und gerade aus der Haut zu ziehen. Danach sollte die Wunde desinfiziert werden. Reißt der Körper der Zecke ab und die Mundwerkzeuge sind noch in der Haut stecken geblieben, sollte man das Entfernen der Reste besser einem Arzt überlassen. Auf keinen Fall sollte die Zecke durch hin- und herdrehen oder mit Öl, Klebstoff o.ä. entfernt werden. Dadurch wird das Tier gereizt und gibt ggf. schon frühzeitig über den Speichel möglicherweise enthaltene Erreger in die Wunde. 

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