Beweidung

Beweidung

Die Beweidung von Flächen hat eine sehr lange Tradition. Sehr früh begann der Mensch mit der Domestikation von Haustieren. Schafe (Ovis orientalis aries) und Ziegen (Capra aegagrus hircus) wurden bereits vor über 11.000 Jahren im heutigen Iran bzw. in Anatolien aus den Wildformen Mufflon (Ovis orientalis orientalis) und der Bezoarziege (Capra aegagrus) domestiziert. Das Rind (Bos primigenius) entstand bereits vor ca. 10.000 Jahren in Vorderasien, Indien und Nordafrika, der Esel vor 7.000 Jahren in Nordostafrika und das Pferd vor 5.-6.000 Jahren in der Kasachischen- und Ukrainischen Steppe. Das Vieh wurde zunächst frei in den Wäldern gehalten. Rodungen waren für die damaligen Menschen aufwendig und erfolgten in der Regel nur für die Anlage von Äckern zum Anbau von Getreide. Die Äcker waren es, die zunächst zum Schutz gegenüber dem Weidevieh, eingefriedet wurden. Eine Beweidung der Äcker erfolgte nur kurzfristig zur Nutzung der Ernterückstände. Die klassische Waldweide mit domestiziertem Weidevieh hat somit über die Jahrhunderte die landschaftsprägende Funktion der großen Weidegänger (Wiesent, Auerochse, Elch, Wildpferd und Rotwild) übernommen und lichte bis fast offene, parkartige Wälder bis hin zu mehr oder weniger baumbestandenen Weiden entstehen lassen. Erst durch die massive Übernutzung der Wälder im Mittelalter (übermäßiger Viehbesatz, Nutzung von Waldstreu), dem Aufkommen der Niederwaldnutzung und der Bau- und Brennholzgewinnung im Zuge der aufkommenden Industrialisierung kam es zu einer strikten Trennung zwischen Forst- und Landwirtschaft. Fortan wurde das Vieh auf den Weiden gekoppelt.

 

Weidesysteme

Naturweidewirtschaft

Die Naturweidewirtschaft (Pastoralismus) ist die natürlichste Art der Landnutzung. Sie erfolgt in der Regel dort, wo geologische und klimatische Bedingungen oder auch die Abgeschiedenheit keine anderen Formen der Bodennutzung zulassen. Sie ist heute noch häufig in den Trockengebieten der subtropischen oder ariden Zonen der Erde zu finden aber auch in den nordischen Zonen oder in großen Höhenlagen. Dort ist sie geprägt durch einen sehr extensiven Tierbesatz, der sich an der Tragfähigkeit der Naturweiden orientiert. Häufig ist dieses Weidesystem auch mit der saisonalen Wanderweidewirtschaft, der klassischen Transhumanz verbunden. Auch die traditionelle Wanderschäferei basiert auf dieser Art der Landnutzung. Beispiele für langjährige extensive Weidenutzungen sind die großen Heideflächen, wie die Mehlinger Heide in der Südpfalz, die Niederburger Heide oder die Dörscheider Heide im Mittelrheintal. Diese Heideflächen sind durch langjährige Beweidung oder durch Nutzung als Truppenübungsplatz entstanden.

Sie, wie auch die Tranzhumanz ist heute durch die zunehmende Zerschneidung der Landschaft kaum mehr möglich.

Halboffene Weidelandschaften

Die Halboffenen Weidelandschaften, die in den letzten Jahren im Naturschutz verstärkt umgesetzt werden, greifen diesen Gedanken auf und versuchen über eine großflächige, ganzjährige Beweidung mit robusten Haustierrassen eine neue Form der Naturweidewirtschaft zu etablieren. Kriterien für diese Art der Beweidung sollten sein:

- ganzjährige Weidehaltung

- Großflächigkeit, unter Einbeziehung unterschiedlicher Lebensräume der jeweiligen Landschaft

- Mischbeweidung mit robusten Haustierrassen

"Belted Galloways" © S. Rösner | www.foto-natur.de - möglichst artgerechte Sozialstrukturen

- geringe, an der natürlichen Tragfähigkeit ausgerichtete Besatzdichte 

- Zufütterung nur in Notzeiten 

- Verzicht auf profilaktische Gesundheitsvorsorge, z.B. bei der Entwurmung

Dabei werden möglichst großflächige Bereiche eingezäunt. Die Weideflächen sollten möglichst vielfältige naturnahe Biotoptypen enthalten und die Anzahl der Weidetiere soll sich an der Futterverfügbarkeit der nahrungsärmsten Montate richten, bei uns i.d.R. der Wintermonate. Eine Zufütterung ist zu vermeiden und auf das tierschutzrechtlich gebotene Maß zu reduzieren.

 

Hütehaltung

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Koppelhaltung

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